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Affenstunde (review)

Source: Sounds, 1971-02
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Affenstunde

Popol Vuh – Affenstunde
Dies ist die erste lp der Münchner Moog-gruppe Popol Vuh – am 27-2 wird Popol Vuh auch in der Fernsehsendung ‚Beat Club’ zu sehen sein. Dort wird man sehen können, wie ihre Musik entsteht. Die Platte kann nur das fertige Produkt präsentieren.
Am meisten fällt an den beiden Stücken dieser lp auf, wie einfach und klar Popol Vuh’s Musik trotz all ihrer geräuschbezogenen Elektronik ist. Die Stereofonie der Schallplatte wird bewußt in das musikalische Geschehen einbezogen.
Schwebende und gleitende Klänge scheinen (beim lauten hören) von überall herzukommen, nicht nur aus den Lautsprechern). Der Moog-synthesizer mag als kaltes, allzu technisches Instrument verschrien sein, auf dieser Platte wird er zu einem ausdrucksstarken Instrument.
Über die Musik von Popol Vuh können keine 100 Worte so viel sagen wie das Anhören. Diese Musik sollte man wirklich hören, und vielleicht werden nicht wenige derselben Meinung der Schreiberin sein, für die Affenstunde die bislang best und am meist befriedigende lp mit deutsche Popmusik ist.

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Popol Vuh beschreiben “Gärten Pharaos“

Source: Schallplatte, nr.3, 1972
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Popol Vuh beschreiben “Gärten Pharaos“

Die Deutsche Gruppe „Popol Vuh“, die durch ihre Arbeit mit dem Moog Synthesizer (ein aus der amerikanischen Raumfahrt entliehenes elektronisches Gerät, mit dem man etwas zwölf Millionen verschiedener Klangmöglichkeiten erzielen kann) auf ihrer ersten, 1970 erschienenen LP „Affenstunde“ große Aufmerksamkeit erregte, hat für den März eine zweite Platte angekündigt: „In den Gärten Pharaos“. Das Trio, das vier Monate lang in der Nähe Münchens auf einem alten Pfarrhof an der Musik arbeitete, hat sich bislang äußert selten über seine Musik geäußert. SCHALLPLATTE bringt ein Gespräch mit

Holger Trülzsch (Percussion, Drums)
Florian Fricke (Moog-Synthesizer Orgel, Electric Piano)
Frank Fiedler (Moog-Synthesizer)

Das seltsam anmutende Eigenporträt der Gruppe hat folgenden Wortlaut:

„Wir haben in dieser Gegend Deutschlands (Umgebung von München, d.Red.) eine sehr alte schöpferische Tradition, deren Boden eine Art mystische Bereitschaft zum Absoluten ist….

Wir arbeiten an einer Musik, die in sich so frei ist, daß der Hörer zu seinen eigenen Phantasien findet. Wir suchen in uns und finden in alten Büchern, die von der materiell-immateriellen Einheit von Lauten und menschlichen Mikrokosmos handeln, die klanglichen und harmonikalen Grundstrukturen die in sich die Kraft der Verwandhing tragen. So erfahren wir Musik selbst als etwas Zeugendes. Dies vermitteln wir weiter.“
Und Popol Vuh fahren in der makabren Meditation fort:

„Der Moog ist ein Wahnsinnsinstrument. Man kann wirklich sehr viel damit machen. Wir jedenfalls entscheiden uns stets für die Klänge, die uns selbst am meisten verzaubern – hier ein Horn von Ramses, da eine äthiopische Harfe, da der gewürzgarten Salomons. Damit machen wir unsere Musik. Wir tragen sie gewönhlich lange in uns herum und achten beim Spielen darauf, glücklich zu sein.“

Wahrscheinlich waren sie es auch bei den Aufnahmen zu der neuen Platte. Die von „Popol Vuh“ im Winter 1971 selbst produzierte Scheibe trägt zwei Titel: „In den Gärten Pharaos“ und „Vuh“.

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In den Gärten Pharaos (review)

Source: Sounds, 1972-05
Author: Norbert Odorinsky

In den Gärten Pharaos

Ab und zu tauchen Platten auf, die die Funktion des Rezensenten erheblich in Frage stellen. Zu diesen Platten gehört die neue Popol Vuh-Produktion. Ich käme mich lächerlich vor, den Kauf dieser Platte zu empfehlen oder gar abzulehnen, weil die Musik so für sich selber spricht, daß sie sich einfach jeder selber anhören muß.

Dazu kann ich allerdings wirklich jedem Plattenkäufer nur raten. Wie schon mit ihrer ersten LP ‚Affenstunde‘ tauchen Popol Vuh wieder mit etwas so Ungewöhnliches auf, daß man allein schon aus diesem Grund nicht an ihren Musik vorbeikommt. Mir liegt momentan nur die Anpressung dieser Platte vor, eine Muster-Platte ohne Cover. Aber ich möchte doch einige Dinge sagen, die mir erwähnenswert erscheinen.

„Popol Vuh ist eine Gruppe von Menschen, die Musik macht, keine Musikgruppe“, sagt die Gruppe über sich selbst. Ihre Ausdrückmittel sind ein gewaltiger Moog-Synthesizer und diverse Perkussionsinstrumente hauptsächlich Bongos. Wie man vermuten muß, hat auch ihre Musik wenig mit Rock/Pop oder ein sonstiger Kategorie zu tun. Ihre Einstellung ist so individuell, daß man sie sogar aus zeitgenössischer Elektronischer Musik herauslösen kann. Doch ich möchte nicht weiter auf rein technische Aspekte ihrer Musik eingehen, da man ihre Musik in erster Linie mit Körper und Geist erfahren muß: diese langgezogenen Klangflächen, Ströme und Bänder in unendlicher Ausgedehntheit, feinste Tonschattierungen von hell bis dunkel, ein Schweben und Gleiten ‚in den Gärten Pharaos‘, dem Stück das die ganze erste Seite einnimmt.

Im Gegensatz zu dieser Seite ist ‚Vuh‘ auf der anderen Seite in einer Kirche aufgenommen. In die Stiftskirche Baumburg hat Florian Fricke seinem Synthesizer genommen und eine wirklich ausdrucksvolle Musik geschaffen: vom der Kirchenorgel hört man ausschließlich langangehaltene Töne, unterstützt von Synthesizer und aufzischenden Becken. Der Synthesizer hört sich stellenweise an wie ein entfernt singender, sakraler Chor, und das Ganze ist wirklich beeindruckend.

Auf dieser Platte sind Stellen, die einem aus der täglichen akustischen Umgebung her bekannt vorkommen. Doch viel mehr und viel besser als ich das kann, beschreibt Popol Vuh ihre Musik selber im dem wirklich lesenswerten ‚Selbstbildnis einer Gruppe’ das letztes Jahr in der Januarnummer von Sounds erschien.

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Brüder des Schattens - Söhne des Lichts (4 reviews)

Source: Musikexpress, Fachblatt, Fachblatt Musik Magazin, Sounds, 1978-1979
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Brüder des Schattens - Söhne des Lichts

Four reviews:

1. 

Die Platte – auch diese jüngste Platte der Münchener Gruppe – enthält keine diesseitige, reale Musik, sondern bildet ein klangliches Skelett, zu dem der Hörer etwas hinzudenken muß. Für sich genommen sind die vier langsamen wie langen Stücke ebenso viele stehende Klänge, und sie leben von solcher verschwenderischen Armut und von solcher virtuosen Dürftigkeit: das über siebzehn Minuten währende Einleitungsstück verwendet lediglich die Akkorde Es-Dur und C-Moll. So etwas wie ästhetische Information findet nicht statt, denn nichts gibt es da, was sich als Formablauf und harmonisches Leben ereignet.

Florian Fricke komponiert seine Stücke nicht als selbstgenügsame, mit ästhetischen Gesichtspunkten in den Griff zu bekommende Kunstwerke, sondern als Begleitklänge zu religiösen oder scheinreligiösen Gefühlen und Vorstellungen. Wer die Fähigkeit nicht besitzt, metaphysisch zu denken und zu leben, geht beim Hören der Platte leer aus. Man kann einen aufrichtigen Respekt vor der Musik und den Musikern dieses einwandfrei produzierten Albums empfinden. Aber reden kann mann darüber nicht. T.Kneif

   Fachblatt Musik Magazin, nr.70, january 1979, p.86

2. 

Ein Wagnis ist es immer, außermusikalische Gedanken zu vertonen. Weil in den seltensten Fällen direkt auszumachen ist, was gewollt war. Indirekt klappt’s eher, bei Popol Vuh manchmal. Florian Fricke ist offenbar immer noch auf der Suche nach dem eigenen Ich. Gesucht hat er unter anderem am Himalaya in tibetanischem Gesang und bei den Kurden am Euphrat. Gefunden hat er dabei wenigstens, woran es bei den meisten Zeitgenossen krankt: eigene Identität. Ein Stückchen Therapie kann sein 15. Album bedeuten, auch wenn man die pseudoreligiöse Verbrämung nicht akzeptiert und wenn man über gelegentliche Kerzenscheinromantik hinweghört. Das Klavier wird im Echo gestreckt, ein Münchener Kinderchor murmelt bedeutungsschwanger, Gitarren, Sitar und Oboe setzen lang sich ausdehnende Schwingungen ab, die ins Bewußtsein kriechen, die Zeit tropft schwer in die Adern. Der Plattenspieler ist nur Medium – du bist das Objekt, bist selber der Berg, den du vor dir auftürmst, an dem sich als Echo die Frage bricht: „Wer eigentlich bist du?“ Vielleicht kriegst du eine Antwort.

   Musik Express, 12, 1978

3. 

Die Platte – auch diese jüngste Platte der Münchener Gruppe – enthält keine diesseitige, reale Musik, sondern bildet ein klangliches Skelett, zu dem der Hörer etwas hinzudenken muß. Für sich genommen sind die vier langsamen wie langen Stücke ebenso viele stehende Klänge, und sie leben von solcher verschwenderischen Armut und von solcher virtuosen Dürftigkeit: das über siebzehn  Minuten währende Einleitungsstück verwendet lediglich die Akkorde Es-Dur und C-Moll. So etwas wie ästhetische Information findet nicht statt, denn nichts gibt es da, was sich als Formablauf und harmonisches Leben ereignet. Florian Fricke komponiert seine Stücke nicht als selbstgenügsame, mit ästhetischen Gesichtspunkten in den Griff zu bekommende Kunstwerke, sondern als Begleitklänge zu religiösen oder scheinreligiösen Gefühlen und Vorstellungen. Wer die Fähigkeit nicht besitzt, metaphysisch zu denken und zu leben, geht beim Hören der Platte leer aus. Man kann einen aufrichtigen Respekt vor der Musik und den Musikern dieses einwandfrei produzierten Albums empfinden. Aber reden kann man darüber nicht.

   Fachblatt, 1, 1979

 4.  Eine sehr statische Platte ist das, auf der die immer wiederehrenden Melodielinien von Florian Frickes Piano und von Daniel Fichelschers Gitarren, die sich ineinanderranken und einander ablösen, die bestimmenden Elemente sind. Im 17-minütigen Titelstück spielen ein Kirchenchor, eine Oboe und Alois Gromers Sitar wichtige Rollen, während der Schlagzeuger bei ‚Die Umkehr‘ in den Credits leider keine Erwähnung findet. Das alles ist (wie von Popol Vuh nicht anders zu erwarten war) eine nach innen gekehrte, friedliche, gelöste Musik mit religiösen, meditativen Absichten, die keinen Weg vorgibt und deshalb recht schlicht daherkommt. HERZ AUS GLAS, die vorherige Produktion, war hymnischer, feierlicher, hat mehr Aufmerksamkeit für sich gefordert und war mir deshalb spontan vertrauter und lieber.

    Sounds, 3, 1979

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Besser nicht

Source: Die Zeit, 1972-06-02
Author: Manfred Sack

Besser nicht

“Popol Vuh in den Gärten Pharaos”; Popol Vuh mit Florian Fricke, Holger Trülzsch, Frank Fiedler; Ohr und Pilz 20 21276-9, 19,80 DM

Diese Schallplatte sei, sagen ihre der „tibetanischen Kosmogie“ verpflichteten Erfinder, ihr zweiter „Schritt hin zu Klarheit, Frieden und Freude“; sie hoffen daß ihre Musik, sobald sie ins Ohr, „den Mutterschoß des Schalls“, eindringt, alsbald den „Geist färbt“. Was so rührend mit metaphysischem Schaum umhüllt wird, ist ein mit Synthesizer, Orgel, Becken, Gesang hergestellter, träge strömender Strom aus schönen, schweren, schwülen und schwülstigen Klängen; wer dich da hineinlegt, hat wohl am meisten davon, wenn er vorher das Licht und den Intellekt ausknipst. Also, Ligeti macht so was weit besser, nämlich differenzierter, intelligenter und viel spannender, nur eben ohne metaphysischen Qualm.

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