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Bron: Radio SWF3 (1972-1974)
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Radio SWF3 interviews with Florian Fricke (1972-1973)

Die fortschrittlichste, ausgereifteste und vielleicht wichtigste deutsche Plattenproduktion will jedoch bis jetzt nich keine Plattenfirma veröffentlichen. Zu wenig expressiv, zu weit voraus, zu aleatorisch erscheint den bei Deutschlands etablierten Plattenfirmen angestellten

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Musik als Medium

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foto sounds 70Die fortschrittlichste, ausgereifteste und vielleicht wichtigste deutsche Plattenproduktion will jedoch bis jetzt nich keine Plattenfirma veröffentlichen. Zu wenig expressiv, zu weit voraus, zu aleatorisch erscheint den bei Deutschlands etablierten Plattenfirmen angestellten

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News

Source: Sounds, nr.11, 1970-11
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News

Die fortschrittlichste, ausgereifteste und vielleicht wichtigste deutsche Plattenproduktion will jedoch bis jetzt noch keine Plattenfirma veröffentlichen. Zu wenig expressiv, zu weit voraus, zu aleatorisch erscheint den bei Deutschlands etablierten Plattenfirmen angestellten Produktions-managern die bereits für eine Plattenveröffentlichung fertiggestellte Bandaufnahme der Münchener Gruppe POPUL VUH. Unter diesem Namen arbeiten drei Musiker, zwei von ihnen (Florian Fricke und Frank Fiedler) zaubern auf dem Moog Synthesizer, und Holger Trülzsch spielt die Perkussionsinstrumente. Die Gruppe kam kürzlich in unsere Redaktion und spielte uns zwei Bänder vor, von denen je eins für eine Plattenhälfte ist.
Nachdem wir auf dem Moog so viel synthetisches Zeugs gehört haben, war die Moog-Musik des Münchener Trios eine Offenbarung. Hier werden nicht mit Elektronik natürliche Instrumente nachgeäfft, hier wird auch kein elektronischer Klangbrei fabriziert, sondern POPUL VUH ist die erste Gruppe, von der wir wirkliche Moog-Musik gehört haben. Dies ist eine Musik, die man nur auf dem Moog machen kann. Rhythmus-Schlabonen, sondern auch durch Bongo- und Schlagzeugrhythmen, die auf natürlichen Instrumenten entstanden sind, bereichert.
Viele Leute, die dem Moog-Synthesizer noch skeptisch gegenüberstehen, dürften sich bei diesen Aufnahmen fragen, warum das nicht veröffentlicht wird.
Doch niemand sollte sich wundern, wenn am Ende diese Aufnahme der POPUL VUH auf dem Ohr-Label erscheinen.

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Popol Vuh - Selbstbildnis einer deutschen Gruppe

Source: Sounds, 1971-01-25
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Popol Vuh - Selbstbildnis einer deutschen Gruppe

Popol Vuh ist eine Gruppe von Menschen, die Musik macht: keine Musikgruppe.
Popol Vuh ist eine Gruppe von Menschen, die zusammen leben und die meiste Zeit damit verbringen, Musik zu machen.

Wir verstehen uns nicht als Musiker, sondern als Menschen, deren Entscheidung es war, das was sie fühlen und das was sie fühlen läßt, in Musik zu sagen. Der Glaube an Vermittlung und Kommunikation ist unser Glaube an Musik. Die Musik, die wir machen, entsteht aus der Rückerinnerung, in die wir mutwillig, mit dem Wunsch zu erfahren, eintreten.
Wir lernen, unsere Phantasie zu begreifen, wir ergreifen sie, wir leben sie. Unsere Musik und ihre Wandlung werden diesen Weg vermitteln: Das traumatische Leben, die unbewußten Räume. So hat unsere Musik zwangsläufig mehr Bezug zu der Musik der Urvölker, - ohne sich an sie anzulehnen. Wir sind dabei, unseren eigenen Weg einer Meditationsform zu finden, die aus unserem Kulturbereich kommt. Wir begegnen dem Unbewußten mit unserem Bewußtsein, wir fallen aus der Zeit und dehnen diesen Augenblick.

Die Gruppe lebt in Peterskirchen, bei Wasserburg, in einem alten Pfarrhof. Dieser Pfarrhof ist inzwischen zu einer Siedlung kreativer Menschen geworden.
Wir machen in der Mitte des Hofes Musik. Mit der Zeit entsteht dort ein Klangraum wie in einem Ei auf den Bildern von Hyronymus Bosch.
Der MOOG SYNTHESIZER ermöglicht es, jeden auch nur gedachten Klang zu erzeugen. Darin liegt zunächst auch eine Gefahr: In dem, in seiner Vermittlung noch unerforschtem Medium - Musik - ist die MOOG Maschine ein unglaublich perfektes Instrument zur psychischen Beeinflussung, denn die Vorgänge sind direkt: Ein gepreßter Klang vermittelt gepreßte Gefühle, ein offener Klang die Möglichkeit zu entspannen, einen kreativen Frieden zu finden.
Wir arbeiten - in unserem Verständnis - nicht mit Tönen, sondern mit dem gesamten Tongebäude der Obertonreihe. So ist der konkrete Ton nie in seinem Raum begrenzt, er verhält sich zu ihm, wie das Bewußtsein zum Unterbewußtsein, er agiert in ihm, wie der Kreismittelpunkt im Kreis. Wir versuchen nicht, Schwingungen zu erzeugen, die sich aus einem musikalischen Produkt ergeben, wir arbeiten schon mit Schwingungen als Ausgangsmaterial. Diese Musik vermittelt sich unmittelbarer als irgendeine andere Musik zuvor: Die Schwingungen treffen linear beim Hörer auf.

Wir sehen in dem MOOG Synthesizer eine der wesentlichen großen, geistigen Zusammenfassungen unserer Zeit. Der elektronische Ton ist eine Nachbildung einer umfassenden Erfahrung. Der Synthesizer kann jeden Ton herstellen und verfügt somit über die Summe Aller Erfahrungen. Dadurch stellt die Maschine an uns die Herausforderung, einen totalen Weg zu gehen. Wir zeigen mit unserer Musik, daß Elektronik nicht allein als technischer Vorgang spürbar ist, sondern sich als ein großes Feld an Empfindungsmöglichkeiten darstellt. Technik kann in der Verbindung mit Phantasie eine neue Form eingehen, die man vielleicht als Spiegel unserer eigenen Erfahrung sehen kann.

Die einzelnen technischen Bestandteile des Gerätes vermögen nicht, außer auf Technik hinzuwiesen. Die Verbindung der Einzelteile kann zu dem Sprung führen, der über Technik hinaus wiest.

Die Musik, die man mit dem MOOG machen kann, umfaßt so die Empfindungsmöglichkeiten des Menschen schlechthin, und so zeigt uns diese Maschine einen ungeheuerlichen Weg, sich selbst in seinen ganzen Möglichkeiten zu erfahren. So verstehen wir unsere Musik auch in er Vermittlung als bewußtseinserweiternde Musik.

Wenn wir an Melodie denken, dann erinnern wir uns, wie wir als Kinder gesungen haben: absichtslos, nur zum eigenen Glück. Irgendwann haben wir aufgehört, wie die Kinder zu singen. Heute holen wir das nach, wie Ungeheure.

Es interessiert uns wenig, in dem Synthesizer eine Reproduktionsmöglichkeit, uns bekannter Dinge zu sehen. Wir benutzen ihn, um das, was immer hinter diese Dingen steckt, auszudrücken. Wenn wir spielen, daß es so klingt wie eine Flöte, dann klingt die Landschaft, aus der diese Flöte kommt, mit. Der konkrete Ton befindet sich in einem Klangraum, der sich ständig ändert. Dadurch besteht ein gehörter Klang immer aus zwei Elementen, die sich zueinander verhalten, wie das Bewußtsein zum Unterbewußtsein, wie der Tag zur Nacht, wie der Grundton zur Dominante.

Wir sind in der Lage, Rhythmen an der Maschine zu entwickeln, die der Fallangst entsprechen. Wir sind selbstverständlich auf der Suche nach dem Klang, der die menschliche Sehnsucht schlechthin manifestiert. Die Vermittlung der absoluten Freiheit. Wir denken nicht daran, daß möglicherweise die Vermittlung von Glück nicht zulässig ist, denn das würde bedeuten, wir könnten keine Musik mehr machen.

Wir vermitteln eine Meditationsform in der Musik, die aus unserer Kultur kommt. Nicht aus der indischen und auch nicht aus irgendeinem anderen Kulturbereich. Der Name Popol Vuh sagt nicht, daß wir so denken würden, wie die Quiche-Indianer, dem Ursprung der Maya-Kulturen, sondern wir bewundern an dem Popol Vuh die Art und Wiese, wie das Buch entstanden ist: In einer Gigantischen Rückerinnering.

Das Buch Popol Vuh ist die Strukturbeschreibung des Denkens einens Volkes von dem Standpunkt aus, daß das Denken eines Volkes ein für allemal vernichtet wurde. Quasi der apokalyptische Standpunkt.

Das Abendland hat sich immer mit dem Leben beschäftigt. Im Gegensatz zu dem Denken anderer Kulturvölker, die sich vornehmlich mit dem Tod beschäftigt haben. Das Abendland hat den Tod in das Unterbewußtsein verdrängt. Wir begegnen ihm dort. Wir durchlaufen dieses Stadium, denn wir können nicht so tun, als wären wir Jogis. Und deshalb ist auf unserem LP-Cover auch ein See und keine Urmutter. Unser Cover weist auf das hin, was wir denken, nämlich die Symmetrie.

Wir zeigen einen oberbayerischen See und nicht einen tibetanischen Tümpel. Alles spielt sich vor unserem Augen ab, im Moment - in diesem Augenblick. Und so gehen wir einen Weg, wo unsere Fantasie unsere Realität wird.

Unsere Musik versucht dasselbe zu tun, sich rückzuerinnern. So hat sie mehr Bezug zu der Musik von Urvölkern, als zu der des Abendlandes, die die Tonalität benutzt hat, um einen bestimmten Spannungszustand auszudrücken, in dem das Verhältnis des Abendlandes zu sich selbst ausgedrückt wird. In einer gewissen Angst gegenüber dem Unbewußten. Wir versuchen ein neues Lebensgefühl zu vermitteln, in dem das traumatische Leben, der unbewußte Raum, bewußt gemacht wird. Das heißt vermutlich, daß die Entwicklung dieser Musik, die wir machen, nicht vorsehbar ist, aber gebunden bleibt an unseren Kulturraum. Bisher hat es im Abendland keine ausgesprochene, dem Denken des Abendlandes entsprechende, meditative Musik gegeben. Wir suchen diesen Weg. Wir befinden uns in einem Kreislauf: der Ton ist die Nachbildung einer Erfahrung. Die MOOG Maschine bietet die Perfektion des Tones schlechthin an. Wir gehen mit einer endlosen Summe an Erfahrung. Dadurch stellt die Maschine an uns die Herausforderung, diesen Weg zu gehen. Wir versuchen mit unserer Musik zu zeigen, wie eine bestimmte Form der Intensität beim Arbeiten zu erreichen ist und daß Elektronik nicht als ein technischer Vorgang spürbar wird, sondern sich als ein großes Feld an Empfindungsmöglichkeiten in Klängen manifestiert. So wollen wir zeigen, daß Technik in der Verbindung mit Fantasie eine neue Form wird, die der Elektronik gegenübersteht, denn nicht Elektronik wollen wir vermitteln, sondern die Summe an Erfahrungen, die in ihr enthalten ist. In Form des Mediums Ton. Wenn es hier um Farbe ginge, würde alles nicht so neu, so unverständlich klingen.

Wir befinden uns auf einer noch recht dionysischen Form zu leben. Wir vermitteln die Freude an dem was wir sehen. Wir machen es zu unserer Sache, wir drücken es in Musik aus. Somit hoffen wir, daß es immer Freude ist.

POPOL VUH
Florian Fricke,
Frank Fiedler,
Holger Trülzsch

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Du und deine 7 millionen Gefühle oder Musik liegt in der Luft

Bron: Twen, nr.3, 1971-03, p.108-109
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Du und deine 7 millionen Gefühle oder Musik liegt in der Luft

POPOL VUH ist eine Musikgruppe, die mit dem MOOG-Synthesizer arbeitet, einem elektronischen Musikinstrument. Seit etwa fünf Jahren geistert die Moogmaschine in der Musikszene bizarr und nachäffend herum; wir haben gehört: Es fuhren Motorräder in einem Froschteich; Musik von Bach oder erfolgreiche Rockmusik wurden elektronisch damit reproduziert. Dinge, die wir schon gehört haben, haben wir noch einmal gehört.
Für uns ist der MOOG-Synthesizer die Möglichkeit, Klänge zu erzeugen, die wir noch nie gehört, immer nur geahnt haben – wir haben sie in uns herumgetragen. Wir finden sie in unserem Unbewußten, im Traum, wir finden sie beim Musikmachen.
Wir suchen sie nicht in der Maschine, sondern in uns. Unsere Ohren führen uns dann zu dem Sound – und die Moogmaschine macht da immer mit. Du kannst etwa sieben Millionen verschiedenen Klänge erzeugen, und in jedem einzeln Klang manifestiert sich ein anderes Gefühl von dir.
Die Musik, die man mit dem MOOG machen kann, umfaßt schlechthin die Empfindungsmöglichkeit des Menschen. So zeigt uns die Arbeit an diesem Instrument einen Weg, sich selbst zu erfahren. Du mußt mit deiner Phantasie die Maschine begreifen, sonst begrenzt du sie, du musst verstehen, dass deine Art zu fühlen, die Summe von einer Menge von Vorgängen sind.
Du mußt den Ablauf dieser Vorgänge aufspüren, dann kannst du einen ähnlichen Weg an dem Instrument einschlagen und findest den Klang, der dem von dir an dir wahrgenommenen Gefühl, das du in Musik ausdrücken willst, genau entspricht.
Glück oder Angst im Übermaß können von unserer Musik ausgehen. Nirgendwo ist sie einzuordnen, außer im Gefühlsbereich der Leute, die sie hören. Wenn du Angst hast vor deinen Gefühlen, dann wirst du bei dieser Musik auch Angst haben, wenn du Freude hast an dem, was in dir ist, dann wirst du dich finden in dieser Musik, dann ist dir, als würdest du träumen. Mit dem von Robert Moog in New York entwickelten Synthesizer ist es möglich, mit Elektronik Live-Musik zu machen.
Du kannst die Moogmaschine als deine Stimme, deine Gitarre, dein Cleveland-Orchestra betrachten und darauf spielen wie auf jedem anderen transportablen Gerät. Du kannst mit jedem herkömmlichen Instrumentalisten zusammen musizieren. So entsteht unsere Musik zunächst auch nicht im Studio, sondern dort, wo wir gerade leben, in Peterskirchen bei Wasserburg in einem alten Pfarrhof oder in Miesbach auf dem Stadlberg.
Dieses Maß an Freiheit ist notwendig , um über Technik hinaus mit dieser überaus komplizierten Apparatur Musik machen zu können, in der sich Leben vermittelt, nicht nur die Materie Ton.
Wir sehen in dem Synthesizer eine geniale Zusammenfassung all unseres Wissens über das Medium Klang. (Dieses Wissen ist etwa sechstausend Jahre alt.)
Die Moogmaschine bietet uns die Perfektion des Tons an; so gehen wir um mit einer Menge Erfahrung. Wenn wir diese Erfahrung dazu benutzt haben, Musik zu machen, die beim Hören Phantasie erzeugt, die spürbar werden läßt, daß Musik Ausdruck von Leben ist, Ausdruck von uns allen, dann ist es das, was wir mit der Musik ´Affenstunde´ zu realisieren vorhatten.
POPOL VUH sind zunächst nicht wir: wir weisen mit diesem Namen auf ein gleichnamige Buch hin, in dem sich die Denk- und Gefühlsstrukturen der Quichè-Indianer - einer Prämayakultur – vermitteln. POPOL VUH ist eine Niederschrift aus der Rückerinnerung, zu dem Zeitpunkt, als die Spanier, als die katholische Kirche das Gebiet, das Denken, das Leben der letzten Quichè-Indianer vernichteten. POPOL VUH heisst nichts, es bedeutet möglicherweise so viel wie ALLES, GOTT, OM, Licht, Energie. Die beiden Wörter sind Klang.

Es gibt zwei Deutsche Übertragungen dieses Buchs. Die eine: eine sehr sorgfältige, bewundernswerte Arbeit von Dr.Schultze-Jena. Es gibt sie noch vereinzelt in Staatsbibliotheken und Archiven die andere, eine unernste, vereinfachende, neueren Datums. Sie heißt: ‘Buch des Rates’.
Florian Fricke: “Ich studierte seit meinem 14. Lebensjahr Musik bei Rudolph Hindemith und an der Freiburger Musikhochschule. Mit 19 Jahre habe ich damit aufgehört. Ich hatte keine Lust mehr, überhaupt etwas anderes zu tun, als erstmal wieder zu leben.
Mit 25 Jahren dachte ich, ich hatte eine Menge gesehen, gehört und gefühlt, ich wollte es vermitteln. Zu dieser Zeit beschäftigte ich mich mit dem Gedanken, ein Elektronium von Hohner umzubauen; ich erfuhr in diesem Zusammenhang von dem MOOG-Synthesizer. Vier Monate danach hatte ich ihn vor mir stehen. Zunächst habe ich mich Tag und Nacht damit beschäftigt. Ich habe in dieser Zeit praktisch nie aufgehört, über diese Materie nachzudenken. (So etwas wie Anleitungen gibt es nicht).
Nach ungefähr drei Monaten war ich an dem Punkt angelangt, wo das Lernen aus dem Spielen, dem Musikmachen kam. Während dieser Zeit besuchten mich eine Menge interessierter Leute und Musiker. Holger und Frank waren die irrsten Typen darunter. Wir beschlossen zusammenzuarbeiten.
Die Arbeit an unserer ersten Platte Affenstunde war sehr schön, sie entstand aus dem Leben, aus unseren Gesprächen. Wir haben nie geprobt, nahezu alles auf ´Affenstunde´ ist in einem einzigen Live Vorgang gespielt.”
Holger Trülzsch: “Ich saß, bevor ich zu POPOL VUH kam, wegen Haschisch vier Monate in Nürnberg im Knast. Davor war ich bei Amon Düül II. Dort bin ich weg, als die Musik zu kommerziell wurde. Als ich zu Florian kam, hat er mir erstmal ein Rhythmusstück vorgespielt, da habe ich ziemliche Angst gekriegt. Es hat mich voll im traumatischen Bereich erwischt”. Frank Fiedler: “Ich war vorher auf der Filmakademie in Berlin und bei einer Musikgruppe. Mich interessiert am MOOG die phantastische Möglichkeit, mit Räumen zu spielen. Ich arbeitete am 4-Kanal-Mischpult und dringe darauf, um den Moog herum eine Gitarrenszene aufzubauen.”

Florian Fricke

WAS IST DAS EIGENTLICH – EIN MOOG-SYNTHESIZER?

Der Moog-Synthesizer ist ein spannungskontrolliertes System zur Tonerzeugung in Modulbauweise. Audiospannung des Systems ist ein Volt, Steuerspannung 0,5 bis 15 Volt. Folgende Bausteine kommen zur Verwendung Rauschgeneratoren, Mehrbereichsfilter, spannungskontrollierte Hoch- und Tiefpaßfilter mit zusätzlicher Regenerierung, spannungsgesteuerte Oszillatoren, umschaltbar auf Sinus-, Rechteck-, Dreieck- und Sägezahnweilen, mit einem Frequenzbereich von 0 bis 20 kHz, Mutteroszillatoren als Spannungssteuerung der Tonoszillatoren, lineare und expotentiale Verstärker, Hüllkurvengeneratoren mit einstellbarer Ein- und Ausschwingzeit von 10 m/sec bis 10 sec., Mixer, Phasenumkehrer, nicht spannungskontrollierte Hoch- und Tiefpaßfilter und eine Tastatur mit 61 Tasten und folgenden Funktionen: Lagenwechsel en bloc, spannungsgesteuerte
Modulationsmöglichkeiten der produzierten Klänge und Verzögerung von Spannungsänderungen, wodurch genau einstellbare Glissandi (Gleittöne) von einer Taste zur nächsten produziert werden können.
Diese Tasten zupfen oder schlagen keine Saiten – sie schalten: Steuerströme der Mutteroszillatoren, diese wiederum die spannungsgesteuerten Tongeneratoren, geregelten Hüllkurvenoszillatoren und so weiter und so weiter. Anders als bei den klassischen Musikinstrumenten, die zur Erzeugung der Töne schwingende Körper, Saiten, gespannte Felle oder in Schwingungen versetzte Luftsäulen (Flöten oder Schalmeien) verwenden, gibt es bei “Instrumenten” wie dem Moog Synthesizer nur noch eine Vielzahl hochkomplizierter elektronischer Schaltungen, Steckverbindungen und Regler.
Diese “unnatürliche” Form der Lauterzeugung ist ein Produkt des technischen Zeitalters. Physiker begannen zur Beschreibung und Analyse mechanischer Vorgänge (wie dem Vorgang der Lauterzeugung, der Schwingungsvorgänge) physikalisch-elektrische Analogien zu entwickeln, die zu einer Zerlegung der komplizierten Schwingungsgebilde eines natürlichen Lautes in Seine Elementarstrukturen führte.
Zum Synthesizer, einem Gerät zur Synthese elementarer Schwingungsvorgänge zu beliebigen Komplexen, führt zweierlei: Einmal die Kenntnis dieser Elementarstrukturen, die Möglichkeit, sie mit Hilfe von Transistoren, Spulen, Widerständen, Kondensatoren und anderem auf elektrischem Weg darzustellen – hier schwingt also keine Luftsäule, sondern ein elektrischer Strom. Zum andern: Diese Elementarstrukturen dann wieder zu kombinieren zu bestimmten Lautarten – ähnlich der Registratur einer Orgel, die verschiedene Pfeifen zu einem Klangbild kombiniert.
Da unsere Ohren, um zu hören, auf das schwingende Medium Luft angewiesen sind, müssen die elektrischen Schwingungen des Synthesizers so verstärkt werden, daß sie einen festen Körper,zum Beispiel eine Membrane. In Schwingungen versetzen können, dieser wiederum die ihn umgebende Luft. So wird uns ein akustisches Bild des elektrischen Vorgangs vermittelt, ein Ton – ein synthetischer Ton.

 

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