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'Popol Vuh' In den Garten Pharaos

Bron: Super Sound, nr.14, p.6, 1972
Auteur: F. Ghisellini

'Popol Vuh' - In den Gärten Pharaos

foto sounds 70Die fortschrittlichste, ausgereifteste und vielleicht wichtigste deutsche Plattenproduktion will jedoch bis jetzt nich keine Plattenfirma veröffentlichen. Zu wenig expressiv, zu weit voraus, zu aleatorisch erscheint den bei Deutschlands etablierten Plattenfirmen angestellten

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Drei deutsche Gruppen, die dem deutschen Rock neue Impulse geben könnten

Source: Musik Express, 1973-06
Author: Karl-Heinz Borchert

Drei deutsche Gruppen, die dem deutschen Rock neue Impulse geben könnten

Agitation Free

Bis 1970 spielte die Gruppe mit Lutz Ulbrich (Gitarre), Michael Günther (Bass), Lutz Kramer (Gitarre) und Christoph Franke an den Drums. In dieser Besetzung begannen sie als eine der ersten in Deutschland mit Filmen und einer Lightshow zu arbeiten und zwar schon Mitte 67, als Gruppen wie die Rattles oder die Lords noch die Hitparaden belegten. Doch Agitation Free wollte schon damals mehr als nur die Teeny’s zum tanzen bringen. Sie arbeiteten, wie damals auch Tangerine Dream und Amon Düül, an dem was heute unter dem Begriff ‚Deutsch Rock‘ angeboten und verkauft wird. Diese Bezeichnung umfasst aber alle deutschen Gruppen von Atlantis über Kraan bis hin zu Popol Vuh, und ist daher für keine deutsche Band repräsentativ. Agitation Free versuchte damals und produziert heute eine gelungene Mischung aus ‚eingängigen‘ Rockteilen und einer gehörigen Portion Elektronik. Der Weg dahin war lang und die Einflüsse unterwegs zahlreich. Am meisten profitierten sie an der Zusammenarbeit mit dem Komponisten Thomas Kessler, der ihnen den Zusammenhalt gab und sie die Klänge der Elektronikmaschinen lieben liess. In dieser Zeit organisierten sie auch Multi-Media-Shows und arbeiteten im Rahmen der Gruppe Neue Musik 1 und gaben Konzerte im Super-Szene-Laden ‚Zodiac‘, wo sich damals alles traf was zur Avantgarde gehörte. Den grössten Erfolg ernteten sie zusammen mit dem heutigen Guru Guru Gitarristen Ax Genrich im Berliner Sportpalast. Bevor sich aber bei ihnen ein kommerzieller Erfolg oder gar ein Plattenvertrag zeigte, trennten sie sich Ende 70. Drummer C. Franke wanderte ab und spielt heute bei Tangerine Dream, von Lutz Kramer hörte man nichts mehr. Doch Lutz Ulbrich und Michael Günther suchten neue Leute und fanden sie auch in Jörg Schwenke (Gitarre), Burghard Rausch (Drums) und Michael Hoenig am Synthesizer und an der Zither. Mit den neuen Leuten konnten sie ihre zum Teil experimentellen Ideen fortsetzen und weiterentwickeln. Besonders die beiden Michaels arbeiteten an Elektronik-Klängen, beeinflusst von Kupkovic, Döhl, J. Cage und Ligeti. Die Gruppe wuchs zusammen, gab Elektronik-Kurse für Lehrer und Schüler in Berlin und experimentierte teilweise (2 Mann) mit Leuten von Cluster. Im März kam mit der Einladung des Goethe-Instituts die Wende. Vom 4.-27. April 1972 tourten sie durch den Nahen-Osten im Auftrag des Instituts. Von der Reise zurück ging’s bald danach in ein Berliner Studio um die zahlreichen Eindrücke und Erfahrungen die man während der Reise gesammelt hatte, zu verarbeiten und sie auf Platte zu pressen. Mit dieser LP ‚Malesch‘ erreichte Agitation Free auch die lange ausgebliebene Anerkennung. Der Versuch, die Barrieren zwischen E- und U-Musik einzureissen, wurde gewagt und es sieht so aus als sei er gelungen. Einige Radio- und Fernsehbearbeitungen folgten und die Band wurde langsam populärer.

Brainstorm

Zuerst nannten sie sich Fashion Pink und nur Roland Schaeffer war von der heutigen Besetzung mit von der Partie. Die zwei anderen Pink Musiker werden heute schon garnicht mehr genannt. Ende 1968 lösten sie sich dann auch auf und Roland schaute sich nach neuen Musikern um. Joachim Koinzer (Drums und Klavier) und Eddy von Overheidt (Orgel, Klavier und Gitarre) schienen seinen musikalischen Vorstellungen zu entsprechen und man begann die Musik zu erneuern und gleichzeitig auch den Namen in Brainstorm zu ändern. Roland der neben verschiedenen Saxophonen und Flöten noch Schlagzeug und Gitarre spielt übernahm von Anfang an das musikalische Konzept und komponierte den Löwenanteil der Stücke. Aber auch die anderen beiden waren nicht untätig und so entstand eine sehr gelungene Synthese aus Jazz-Klängen und Rockharmonien. Doch vorerst zeigte sich keinerlei Erfolg. Die Gruppe war eine unter vielen, die in dieser Zeit (69/70) nur so aus dem Boden schossen. Mitte 70 wurde man sich einig einen vierten Man dazuzunehmen, der Rainer Bodensohn hiess und den Bass sowie Flöten bediente. Der Stil wurde abgerundeter und der Sound dichter. Das Glück liess aber immer noch auf sich warten, bis dann endlich Mitte 72 ein Plattenvertrag unterschrieben werden konnte. Mit diesem Debut-Album ‚Smile a while‘ (Longplaylook 2/73) schaffte es Brainstorm, einen festen Sockel unter die zukünftige Karriere zu bauen, der ihr viele gute Kritiken einbrachte. Nun stieg auch die Popularität und es schlossen sich Fernsehaufnahmen an. Aufnahmen für das WDR-Jugendmagazin ‚Rhinozeros‘, Produktion einer Südwestfunk-Sendereihe ‚Probleme‘ und eine Filmmelodie für die WDR Kindersendung ‚mit der Maus‘ waren darunter. Vor kurzer Zeit erst nahmen sie auch noch einen fünften Musiker hinzu, der sich dem Bass zu widmen hat, damit Rainer sich wieder vermehrt um seine Flöte kümmern kann. Enno Dernov dürfte damit die letzten Lücken der Musik schliessen. Im Moment ist Brainstorm mit ihrer zweiten LP beschäftigt, während die erste kurz zuvor in England auf den Markt kam. Zur Einführung der Platte in England ist in den nächsten Monaten eine Promotion-Tour durch englische Colleges geplant.

Popol Vuh

Popol Vuh unterscheidet sich etwas von den vorherigen zwei Gruppen. Sie haben nicht nur eine, sondern schon 3 LP’s auf dem Markt, ausserdem sind sie um einige Grade bekannter als Brainstorm und Agitation Free. Mit ihrer ersten Produktion ‚Affenstunde‘ erreichten sie es, dass der Moog-Synthesizer in aller Munde war. Sie machten dieses Monster-Instrument in Deutschland populär und man freundete sich mit einem Klang an, der einige Millionen verschiedene Töne einschliesst. Für Popol Vuh war es damals der wichtigste Klangkörper in ihrer Musik und Florian Fricke, der dieses Instrument sowie Orgel und Piano spielt, meinte dazu: „Für uns ist der Moog die Möglichkeit, Klänge zu erzeugen, die wir noch nie gehört, nur geahnt haben – wir haben sie in uns getragen“. Der Name Popol Vuh wurde einem gleichnamigen Buch entlehnt, dass über die Quiche-Indianer berichtet, und nichts heisst, aber alles bedeutet. Domizil der Gruppe war ein Pfarrhof in Peterskirchen bei Wasserburg und hier entstanden auch die Klänge der ‚Affenstunde‘. Unterstützt wurde Florian Fricke, Gründer und geistiger Vater von Popol Vuh, von Holger Trülzsch (Bongos, Percussion) und Frank Fiedler am Mischpult und ebenfalls am Moog. Florian studierte seit seinem 14. Lebensjahr an der Freiburger Musikhochschule, verliess sie aber mit 19 Jahren „um zu leben“ wie er meinte. Im Alter von 25, nach vielen Erfahrungen und Erkenntnissen, einem Free-Gastspiel und der Begegnung mit dem Elektroniker und Kammeroperchef Eberhard Schoener, wollte er diese Erfahrungen und sein Wissen weitervermitteln und besorgte sich aus diesem Grunde einen Synthesizer. Den Rest kann man sich sparen – Popol Vuh war geboren! Nach dieser Debut-Platte wechselten sie die Plattenfirma und nahmen ihre 2. LP auf: ‚In der Gärten Pharaos‘! Eine der Grundvoraussetzungen dieser Musik war, dass jeder beteiligte Musiker sich während des Spielens glücklich fühlte. Während auf der einen Seite nach wie vor der Moog dominierte, wird auf der Rückseite mit einer Kirchenorgel als Hauptbestandteil gearbeitet. In dieser Zeit hatten die drei auch einen Auftritt im heute schon fast legendären ‚Beat-Club‘ und ein Portrait in der Sendung ‚Popmusik in Deutschland‘. Die Bekanntheit wuchs und Anfang 73 überraschte Florian Fricke alle Anhänger und Kritiker mit der Nachricht, er werde jetzt keinen Moog mehr in seiner Musik verwenden! Mit vielen Vorschusslorbeeren erschien dann vor kurzer Zeit die dritte und bisher schönste Platte mit dem religiösen Titel ‚Hosianna Mantra‘. Wie versprochen hörte man nicht das geringste Moog-Geräusch in den einzelnen Stücken. Wie nach dem Titel zu vermuten war, enthielt die LP religiöse Texte und war unheimlich ruhig und weich und zart was die Musik angeht. Florian heute: „Musik ist für mich im Laufe der Zeit immer mehr zu einer Form des Gebetes geworden, und dazu ist der Moog nicht besonders geeignet.“ Schon bei den ‚Gärten Pharaos‘ bemerkte man die Wandlung des Gedankengutes und es war ein logischer Schritt bis zur heutigen Auffassung über Glaubens- und Religionsfragen, die in der jetzigen Musik verarbeitet werden. Bevor Popol Vuh sich an die Produktion von ‚Hosianna Mantra‘ machte, nahmen sie die Spielfilmmusik von Werner Herzogs ‚Aguirre, der Zorn Gottes‘ auf, der viel Lob einbrachte und der Gruppe zu weiterer Popularität verhalf. Heute, nachdem sich Florian von seinen beiden alten Musikern gelöst hat, begleiten Oboe, Klavier und Violine seine Wege. Mit dem Ex-Gila Gitarristen Conny Veit bildet er eine Einheit, die eine Musik zaubert der man die reine Geisteshaltung der Mitspieler sofort anmerkt. Conny ist nicht mehr aus dem Stil wegzudenken mit seiner Gitarre, die sich unfassbar einfühlsam und anmutig an dem Klavier Florians emporwindet und mit ihm zusammen einen Stil bildet, der wahrscheinlich einmalig in seiner Art ist. ‚Hosianna Mantra‘ ist eine der schönsten und ergreifensten Platten überhaupt.

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Popol Vuh - muziek als geneesmiddel, muziek als gebed

Source: Muziekkrant OOR, nr. 17, 1973-08-29
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Popol Vuh: muziek als geneesmiddel, muziek als gebed

De enige band, die er bestaat tussen de elpee 'Affenstunde' en 'In den Garten Pharaohs' aan de ene kant en 'Hosianna Mantra' aan de andere kant is een Tibetaans citaat:
"In den Ohren wohnen die Göttinnen der Raumrichtungen, der Walterinnen des Elementes Raum, das in der Muschel des Ohres sich als Schall einfängt."
Een stukje filosofie, waarin het gehoor de hoogst mogelijke trap is. De woorden vormen er het machtsaspect in, de zang het liefdesaspect en innerlijke klank plaveit de direkte weg naar God. De groep Popol Vuh ontleende aan deze filosofie haar muziek, waarvan de groepsleden een heilzame kracht uit vonden gaan. Tenminste zo ging het met de twee eerste elpees, waarvan 'In den Garten Pharaohs' hier is uitgebracht. Ten tijde van die opname bestond Popol Vuh uit Holger Trüzsch, Frank Fiedler en Florian Fricke. Muzikaal draaide alles om de moog-synthesizer, waardoor een technisch onnavolgbaar geluid werd geproduceerd. Vooral Florian Fricke kon de wonderlijkste klanken te voorschijn toveren.
Fricke: "je kan met de moog alle klankmogelijkheden bereiken, van een hoorn van Ramses tot het geluid van de wind in de tuin van Salomon". De muziek van beide eerste elpees met nummers, die hele elpeekanten duren, klinkt haast onwezenlijk mooi. Een randgebied van de Duitse pop.

BOEDA EN CHRISTUS

De Popol Vuh, jaargang 73, ziet er totaal anders uit. Fricke groeide weg van z'n vroegere kollega's en nam ook afstand van de moog. Samen met Conny Veit, Robert Eliscu, Djong Yun en Klaus Wiese heeft hij een nieuwe groep gevormd, waarin de moog is vervangen door klassieke instrumenten als hobo en fagot en de Oosterse filosofie haar plaats deelt met de Christelijke. Uitgangspunt in het Christelijk denken van Fricke is de bijbelvertaling van Martin Buber. De derde elpee 'Hosianna Mantra' (ook hier uit) staat geheel in het teken van de konfrontatie van de beide filosofiën, maar vormt ook een voortzetting op wat Florian Fricke al in het stuk 'Vuh' (op 'In den Garten Pharaos) deed. Fricke noemt het sakrale pop, waarin de muziek het middel is om het doel (totale schoonheid) te bereiken: 'Er is daarin geen plaats meer voor technische hulpmiddelen, zelfs een moog is dan te statisch en te weinig gedifferentieerd.'  Dat mag allemaal hoogdravend klinken, maar Popol Vuh is er wel in geslaagd meer dan andere 'Christelijke'  popgroepen vanuit een religie aanvaardbare muziek te maken. Misschien geen pop, maar dat ziet Fricke op een eigen manier: "Over een jaar kan ik pas echt zeggen of het popmuziek is. Want popmuziek moet voor iedereen begrijpelijk zijn. Als het publiek gunstig reageert is het bewijs geleverd. "

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Deutscher Rock auf eigenen Füssen

Source: Zeitmagazin , nr. 34,  1973-08-17
Author: W. Burkhardt

Deutscher Rock auf eigenen Füssen

Sie kommen vom Rock ‘n’Roll und von der Elektronik, vom Blues und von der indischen Musik, vom Barock und neuerdings wieder vom Jazz .... sie alle versuchen, angelsächsische Idole abzuschütteln, nicht nur Rockmusik in Deutschland, sondern deutsche Rockmusik zu machen. Wie arbeiten sie, wie ist ihr Publikum, wie sehen sie sich selbst?

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“In der Dreiprinzipienarchitektur der tibetischen Kosmogonie - bei der die höchste Stufe die achte ist, da die Null als Repräsentanz des Vorweltlichen, Ungeborenen mitgezählt wird - wird der Gehörsinn als eine Manifestation der achten Stufe des geistigen Prinzips (Chi oder Luft) verstanden. “ Also sprach Florian Fricke, das geistige Zentrum der Gruppe Popol Vuh in München. Doch Bangemachen gilt nicht. Fricke äußert sich artikuliert und selbstbewußt zu seiner Musik:
“Popul Vuh - so heißt die Schöpfungsgeschichte der Quique-Indianer. Die leben in Guatemala. Auf deutsch bedeutet das etwa ‘Buch des Rates’. Doch jede Übersetzung wäre eine Grobheit, weil man diese alten Kulturen nicht mehr so genau kennt. Im Original ist der Text kaum noch aufzutreiben, denn er steht auf dem kirchlichen Index. Die Katholiken haben ein schlechtes Gewissen, weil sie diese Völker ausgerottet haben. Nur in seiner Urform handelt das Buch noch von dem Gegensatz zwischen Unbewußt und Bewußt, beschreibt es vorbewußte Zustände der Seele.”
In einem sehr gepflegten Haus am Rande Münchens, weitläufige, nobel ausgelegte Altbauzimmer in lichten Farben, wohnt Fricke mit seiner Frau, und wenn er Mystisches spricht, dann schmeckt ein solcher Hang zum Kontemplativen natürlich auch ein bißchen modisch, nach indischem Trip.
Doch Fricke betrachtet sich vor allem als Musiker, der während seines Studiums “über die Felder gerannt ist und vor Verzweiflung geheult hat, weil die Schule so hart war”. Er sagt: “Für mich ist Musik eine bitterernste Angelegenheit, die keine Hast und keine Flüchtigkeit verträgt. Ich bin ein ausgebildeter Musiker. Das unterscheidet mich von vielen anderen pop-Musikern”.
Doch, etwas verwöhnt Aristokratisches geht schon von ihm aus, der sich mit seiner Gruppe gern auf Güter, Landsitze und in die weihevolle Geborgenheit kirchlicher Räume zurückzieht, der von sich behauptet, über die technischen Möglichkeiten eingestiegen zu sein, der aber nun zu den natürlichen, nicht elektronisch eingefärbten Instrumenten zurückkehrt.
“Der Weg von der Imagination zur Verwirklichung ist jetzt kürzer. Kein zerrissenes Kabel unterbricht ihn”. Immer mehr wendet sich Fricke sakralen Themen zu, bittet er in seiner Musik um die Freigabe des Menschen aus Verwirrung und Haft. Seine Frau hat mit der Atemausbildung, er selbst mit Yoga angefangen. Sie berichten sachlich über die Stadien ihrer Verwirklichung, aber wichtiger ist ihnen die Musik: ”Die Ergriffenheit beim Spielen - das ist die Realität. So herumsitzen und reden und zeigen - das ist nicht das Eigentliche”.

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Popol Vuh - Barock-Kirche diente zur Pop-Aufnahme

Source: Musikmarkt, nr.8, 1973
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Popol Vuh: Barock-Kirche diente zur Pop-Aufnahme

 

Die Produktion einer neuen Langspielplatte ist gewiß nichts Besonderes. Wenn aber dafür eine deutsche Gruppe eine der ältesten und schönsten bayerischen Barockkirchen mietet - dann wird es eben doch zum Ereignis. Schon 1970 fiel die Münchener Gruppe Popol Vuh durch ihre erste LP "Affenstunde" auf. Damals war es Florian Fricke, Gründer, Motor und Songschreiber der Gruppe, der als erster Deutscher mit einem Moog Synthesizer experimentierte und mehr schuf als nur die schon bekannten Klänge.
Die zweite Platte "In den Gärten Pharaos" entstand schon in der Barockkirche Baumburg, zehn Kilometer vom Chiemsee entfernt. Damals spielte Florian sakral angehauchte Musik auf dem Moog und der Kirchenorgel. Auf seiner dritten LP "Hosianna Mantra" verzichtete er zum erstenmal auf elektrische und schuf mit nur akustischen Instrumenten und Stimmen Klangbilder.
Auf dieser Basis wurde Popol Vuh eine der erfolgreichsten und meistbeachteten deutschen Gruppen. Jetzt überrascht Florian Fricke seine Anhänger wieder mit einem neuen Stil. Seine Musik ist rhytmischer, durchsichtiger geworden, verliert sich nicht mehr so in Emotionen wie bisher. Zum erstenmal benutzte er bei den Aufnahmen auch ein Schlagzeug.
Die Basisaufnahmen mit Florian Fricke am Flügel, Klaus Wiese (Tamboura), Conny Veit (Gitarre) und Danny Fichelscher (Gitarre) entstanden in der Baumburg. Toningenieur war Dieter Dirks, der für die Aufnahmen einen Teil seines Studios von Stommeln bei Köln nach Bayern transportierte. Sangstimmen und das Schlagzeug wurden dann, ebenso wie die Mischung, in Stommeln aufgenommen. Noch im September soll die Langspielplatte unter dem Titel "Seligpreisungen" auf dem Pilz-Label im Vertrieb der BASF erscheinen.
Wenige Tage nach den Aufnahmen ließ man von Hamburg aus eine Bombe über Produzent Rolf-Ulrich Kaiser platzen. Er hatte erst gemeinsam mit Gitte Lettmann die "Ohr & Pilz Musikproduktion" gekauft und ist verantwortlich für die Produkte von Gruppen wie Popol Vuh. Angeblich sollte es zum Krach zwischen Kaiser und seinen Gruppen gekommen sein. Abenteuerliche Anschüldigungen wurden laut. Angeblich hatt Kaiser seine Musiker zum Drogenkonsum gezwungen, zu harte Geschäftsmethoden angewandt und geschäftlich falsch operiert, so daß die "Ohr & Pilz-Musikproduktion" kurz vor ihrem Ende steht.
Kaiser schaltete sofort seinen Rechtsanwalt ein. Was von diesen Behauptungen zu halten ist, werden jetzt wohl die Gerichte klären müssen. Die Musiker fühlen sich davon weniger betroffen. Florian Fricke und auch die Mönchengladbacher "Wallenstein" jedenfalls haben ihre Verträge noch nicht gekündigt und lassen ihre Platten weiter von Kaiser vertreiben. Dabei hätten gerade sie lukrative Angebote anderer Firmen. Bedauerlich ist an der Sache wohl nur, daß hier versucht wird, schmutzige Wäsche mit nicht ganz sauberem Wasser zu waschen, womit man den Musikern aber nur schadet.

 

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