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REVIEWS OF 'BURY MY HEART AT WOUNDED KNEE'

 

BURY MY HEART AT WOUNDED KNEE

Eineinhalb Jahr lang war Dee Browns “Begrabt mein Herz an der Biegung des Flußes” auf der deutschen Bestsellerliste. Jetzt hat der Untergang des Roten Mannes bei uns auch musikalisch seinen Niederschlag gefunden:
Gila ‘Bury my Heart at Wounded Knee’ Warner Bos. 46234

Gila - das sind Sabine Merbach, Conny Veit, Daniel Secundus Fiechelscher & Florian Fricke - lieferten ein spürbar durchdachtes Arrangement: Die Texte sind zum Teil authentisch; die Musik ist nachempfunden, nicht nachgeahmt. Die Kompositionen - sämtliche von Conny Veit - prägt ein magischer Drive bis hin zum Schluß. Höhepunkt: ‘The Buffalo are coming’ (Das Label nennt die Lieder der B-Seite übrigens in der falschen Reihenfolge). Präzis & prall kommt die 12-saitige Gitarre bei ‘Young Coyote’ (erinnerungen an Leo Kottke). Die Studio Technik wurde nicht überstrapaziert. Die sieben Songs verbindet eine atmosphärische Einheit, die sogar Prärie & Freiheitsassoziationen zuläßt. Leider rutschen die gelungenen dämonischen Untertöne stellenweise in abgenutzte Pop-Effekte ab.

Doch der Titel vom Massaker anno 1890 verpflichtet nach dem Wounded Knee von 1973 zu mehr als nur zu schöner Musik. Drie Dinge stellen echtes Engagement in Frage: Warum sind die Texte nicht abgfedrückt? Warum bringt die Cover-Rückseite (statt dem Gila Quartett an der Biegung eines verschmutzen deutschen Flusses) keine Background-Information? Warum geht vom erlöß nichts nach Wounded Knee? Immerhin trägt das Elend dort zum Verkaufserfolg hier mit bei.

Dies ist jedoch nicht den Musikern, sondern der Plattenfirma anzulasten. Der Kommerz siegt. Dazu Veit: “Wir wollten eine dopplete Hülle mit einem Textheft über die Situation der Indianer. Das wurde aus angeblichen Geldgründen verweigert.” 1974 soll die LP auch in den USA vertrieben werden. Die Münchner Gruppe will ihre Anteile dann an das American Indian Movement abtreten.
Wie ach immer: eine der interessantesten Produktionen der German Rock Scene ‘73.

cb

   From: Blatt - Stadtzeitung, nr.10, 1973

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Der plötzliche Aufschwung kommt allerdings zur rechten Zeit. Denn in den letzten Monaten erschienen etliche Alben bundesdeutscher Musiker, die Internationale Vergleiche nicht zu scheuen brauchen. Da ist zum Beispiel die Gila-LP BURY MY HEART AT WOUNDED KNEE (Warner Bros. 46 234). Gitarrist Conny Veit komponierte alle acht Tracks und stützte sich dabei auf Dee Browns literarischen Bestseller ‘Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses’. Thema von Buch und Platte ist die Dezimierung und Unterdrückung der nordamerikanischen Indianer durch die europäischen Einwanderer, exemplarisch dargestellt am Beispiel des Massakers von Wounded Knee im Jahre 1868. Jeder Blick, den das heute weithin ausgerottete indianische Volk auf die letzten hundert Jahre seiner Geschichte wirft, kann angesichts der Machtmittel der Gegenseite nur voll Melancholie sein, gemischt mit ohnmächtigem Zorn und Resignation. Genau diese Atmosphäre vermitteln auch die eindringlichen Klangbilder des Gila-Albums, und wenn du sie einmal gehört hast, dann lassen sie dich nicht mehr los. Ungeachtet des blutigen Hintergrunds bestechen Passagen von BURY MY HEART durch eine eigentümliche Schönheit, wie man sie von Titeln von It’s A Beautiful Day her kennt. Neben Conny Veit, der auch Flöte spielt und singt, waren an dieser bemerkenswerten Einspielung noch Florian Fricke (Piano, Mellotron), Daniel Secundus Fiechelscher (Perkussion, Baß) und Sabine Merbach (Gesang) beteiligt.

Hermann Haring

    From: Sounds, nr.9, 1973

 

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