POPOL VUH
Popol Vuh unterscheidet sich etwas van den vorherigen zwei Gruppen. Sie haben nicht nur eine, sondern schon 3 LP’s auf dem Markt, ausserdem sind sie um einige Grade bekannter als Brainstorm und Agitation Free. Mit ihrer ersten Produktion ‘Affenstunde’ erreichten sie es, dasss der Moog-Synthesizer in aller Munde war. Sie machten dieses Monster-Instrument in Deutschland populär und man freundete sich mit einem Klang an, der einige Millionen verschiedene Töne erschliesst. Für Popol Vuh war es damals der wichtigste Klangkörper in ihrer Musik und Florian Fricke, der dieses Instrument sowie Orgel und Piano spielt, meinte dazu: "Für uns ist der Moog die Möglichkeit, Klänge zu erzeugen, die wir noch nie gehört, nur geahnt haben - wir haben sie in uns getragen". Der Name Popol Vuh wurde einem gleichnamigen Buch entlehnt, dass über die Quiche-Indianer berichtet, und nichts heisst, aber alles bedeutet.
Domizil der Gruppe war ein Pfarrhof in Peterskirchen bei Wasserburg und hier entstanden auch die Klänge der ‘Affenstunde’. Unterstützt wurde Florian Fricke, Gründer und geistiger Vater von Popol Vuh, von Holger Trülzsch (Bongos, Percussion) und Frank Fiedler am Mischpult und ebenfalls am Moog.
Florian studierte seit seinem 14. Lebensjahr an der Freiburger Musikhochschule, verliess sie aber mit 19 Jahren, "um zu leben" wie er meinte. Im Alter von 25, nach vielen Erfahrungen und Erkenntnissen, einem Free-Gastspiel und der Begegnung mit dem Elektroniker und Kammeroperchef Eberhard Schoener, wollte er diese Erfahrungen und sein Wissen weitervermitteln und besrogte sich aus diesem Grunde einen Synthesizer. De nRest kann man sich sparen - Popol Vuh war geboren! Nach dieser Debut-Platte wechselten sie die Plattenfirma und nahmen ihre 2. LP auf: ‘In der Gärten Pharaos’! Eine der Grundvoraussetzungen dieser Musik war, dass jeder beteiligte Musiker sich während des Spielens glücklich fühlte. Während auf der einen Seite nach wie vor der Moog dominierte, wird auf der Rückseite mit einer Kirchenorgel als Hauptbestandteil gearbeitet. In dieser Zeit hatten die drie auch einem Auftritt im heute schon fast legendären ‘ Beat-Club’ und ein Portrait in der Sendung ‘Popmusik in Deutschland’. Die Bekanntheit wuchs und Anfang 73 überraschte Florian Fricke alle Anhänger und Kritiker mit der Nachricht, er werde jetzt keinen Moog mehr in seiner Musik verwenden! Mit vielen Vorschusslorbeeren erschien dann vor kurzer Zeit die dritte und bisher schönste Platte mit dem religiösen Titel ‘Hosianna Mantra’. Wie versprochen hörte man nicht das geringste Moog-Geräusch in den einzelnen Stücken. Wie nach dem Titel zu vermuten war, entheilt die LP relig se Texte und war unheimlich ruhig und weich und zart was die Musik angeht. Florian heute: "Musik ist für mich im Laufe der Zeit immer mehr zu einer Form des Gebetes geworden, und dazu ist der Moog nicht besonders geeignet". Schon bei den ‘ Gärten Pharaos’ bemerkte man die Wandlung des Gedankengutes und es war ein logischer Schritt bis zur heutigen Auffassung über Glaubens- und Religionsfragen, die in der jetzigen Musik verarbeitet werden. Bevor Popol Vuh sich an die Produktion von ‘Hosianna Mantra’ machte, nahmen sie die Spielfilmmusik von Werner Herzog’s ‘Aguirre, der Zorn Gottes’ auf, der viel Lob einbrachte und der Gruppe zu weiterer Popularität verhalf.
Heute, nachdem sich Florian von seinen beiden alten Musikern gelöst hat, begleiten Oboe, Klavier und Violine seine Wege. Mit dem Ex-Gila Gitarristen Conny Veit bildet er eine Einheit, die eine Musik zubert der man die reine Geisteshaltung der Mitspieler sofort anmerkt. Conny ist nicht mehr aus dem Stil wegzudenken mit seiner Gitarre, die sich unfassbar einfühlsam und anmutig an dem Klavier Florians emporwindet und mit ihm zusammen einen Stil bildet, der wahrscheinlich einmalig in seiner Art ist. ‘Hosianna Mantra’ ist eine der schönsten und ergreifensten Platten überhaupt.
kab
From: Musik Express, 6, 1973